Venlo


Material: Innen: Sperrholz, Yupo Synthetikpapier

Außen: Künstlicher Buchsbaum, Holz, WPC Hohlkammerprofile, Aluminiumprofile, Kunstrasen, Rollrasen


Die Arbeit ist im Rahmen des Ausstellungsprojekts 'Mapping the Landscape' des Museums van Bommel van Dam in Venlo entstanden (www.vanbommelvandam.nl läuft noch bis zum 6. Januar 2013).

Für die Ausstellung habe ich eine mehrtägige Fototour in und um Venlo gemacht, bei der sich mir Frage nach dem Verhältnis von natürlicher und künstlicherLandschaft ganz neu gestellt hat. Ich glaube wir Deutschen sind immer noch Romantiker, die von unberührter, unschuldiger Natur träumen. Die Niederländer haben längst verstanden, dass das Unsinn ist und gehen dementsprechend locker mit der Landschaft um.

Diese Erfahrung habe ich versucht, in einer Art Fotoessay mit kurzen Texten zu formulieren. Das Ganze ist dann als Buch mit Tisch und Sitzgelegenheiten eine kleine installative Arbeit im Museum.

Im zweiten Teil habe ich versucht, die Erfahrungen und Ideen aus dem Essay in einer skulpturalen Arbeit gewissermaßen auszuspielen. Dafür nutzte ich eine bisher funktionslose Kiesfläche vor dem Museum, in der sich dessen klare Proportionen mit denen der angrenzenden Verkehrswege beißen und habe daraus eine gartenartige Situation gemacht, in der verschiedene natürliche und künstliche Materialien zu Einsatz kommen.

Die Arbeit ist von der Umgebung nicht mehr klar zu unterscheiden sondern ein (hoffentlich) intensivierter Teil derselben.


Ich gebe im Folgenden den Buchtext mit einigen Beispielbildern. Das ganze Fotobuch kann man sich als PDF ansehen.

 

Boden

Eigentlich verbindet man mit dem Boden das Sichere, räumlich und zeitlich Feste und Beständige; man sagt ja auch: „Grund“ der schönen Doppeldeutigkeit von geistigem und materiellem Fundament.

Hier hatte ich den gegenteiligen Eindruck. Vom ersten Bild an (ein auf die Erde geschütteter Haufen Erde) ließ mich das Gefühl nicht mehr los, das der Boden hier einfach ein Material ist, mit dem man arbeitet, das verschoben und umgebaut werden kann. Das sieht man dem Boden dann auch an.

An manchen Orten liegt die ganze Fläche des Bodens auf einer Plastikfolie. Dieser Boden ist gar kein fester Grund, sondern nur ein mehr oder weniger dünner Film von Material, das nicht mit dem darunterliegenden Boden in Verbindung kommen und bei Bedarf wieder wegbewegt werden soll. Vielleicht wird irgendwann die Folie an allen vier Enden aufgehoben, um dieses Material wie in einen Sack zu verpacken und dann … zu vergraben?

Vielleicht benutzt man es ja auch zum Bau neuer Landschaften.

Untergrund

Ich bemerkte, wie sich entlang der Straßen in regelmäßigen Abständen Gruben auftun, in die irgendwelche Röhren münden, aus denen heraus oder in die hinein Wasser läuft. An manchen Stellen kommt plötzlich ein Rohr aus dem Boden hervor. Ich fing an zu verstehen, dass die Landschaft noch eine zweite Ebene hat: sie ist auch ein Versorgungssystem von Zu- und Ableitungen. Am deutlichsten wurde mir das auf dem Gebiet der Gewächshäuser. In manchen Bereichen scheint die Landschaft aus nichts anderem zu bestehen als aus Zuleitungen, Speichereinrichtungen und Transportwegen. Es kam mir vor, wie eine vollkommen mechanisierte Landschaft, die Landschaft als Maschine. 

Ordnung

Ich habe auf verschiedene Weisen des Ordnens und Sortierens geachtet, die Art und Weise wie eine Landschaft strukturiert wird. Wir alle brauchen Ordnung in irgendeiner Form. Wie aber sieht Ordnung in einer Landschaft aus, wenn dem Ordnungsinteresse keine natürlichen Hindernisse im Weg sind? Wie lebt man in einer Landschaft, die eine plane Fläche ist, ohne die Herausforderung von Berg und Tal?

Wohnen

Ich hätte nicht erwartet, dass in diesen Zonen der Agrarindustrie irgendjemand leben will. Sondern dass die Wohngebiete von den Orten der Fabrikation fein säuberlich getrennt werden; hier wohnen, dort arbeiten. Irrtum, die Menschen kommen eben nicht nur zur Arbeit her, sondern haben sich hier mit viel Fleiß und Liebe wohnlich eingerichtet. Was ich zuerst als mechanische Produktionsstätte, als reine Fabrik angesehen hatte, kommt mir jetzt eher vor wie ein riesiger Bauernhof, auf dem das Wohnen mit dem, was ich als mechanisierte Landschaft gesehen hatte, bruchlos und widerspruchslos nebeneinander existiert und zusammengeht.  

Aussen

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